Samstag 29. Mai 2004, 15:40 Uhr
Neue schwere Regenfälle bedrohen Katastrophengebiete in der Karibik
Mapou/Haiti (AP) Für das Überschwemmungsgebiet auf der Insel Hispaniola sind neue schwere Regenfälle vorausgesagt. Sowohl in der haitianischen Inselhälfte als auch in der benachbarten Dominikanischen Republik wurden am Samstag weitere Leichen geborgen. Die offizielle Opferzahl der Überschwemmung, einer der schwersten Naturkatastrophen in der Karibik überhaupt, wurde am Freitagabend mit 1.034 angegeben. Allein aus der Stadt Mapou meldete das haitianische Rote Kreuz jedoch 70 weitere Opfer. Experten befürchten wegen der zahlreichen Toten, die noch im Wasser schwimmen, Epidemien und eine Verseuchung des Trinkwassers.
«Es ist schrecklich. Leute entdecken Menschen an sehr merkwürdigen und unerreichbaren Stellen - einige Leichen hängen sogar von Baumwipfeln», sagte Sheyla Biamby vom US-amerikanischen Katholischen Rettungsdienst. Ein dominikanischer Arzt warnte, selbst von den bereits bestatteten Leichen gehe eine Verseuchungsgefahr aus - das bei der Stadt Jimani angelegte Massengrab sei nicht tief genug. Über der 12.000-Einwohner-Stadt lag ein Geruch von Verwesung.
Die angekündigten Unwetter drohten die Rettungsarbeiten zu behindern und die Lage noch zu verschlimmern. Der Nationale Dominikanische Wetterdienst warnte vor sintflutartigen Regenfällen und Wirbelstürmen. Die Menschen wurden aufgefordert, sich in höher gelegenen Gebieten in Sicherheit zu bringen. Für die Menschen in Mapou ist das quasi unmöglich. Sie leben in einem Flusstal, umgeben von 2.000 Meter hohen Bergen, aus denen in der Nacht zum Montag Sturzbäche mit Schlamm, Schotter und Felsbrocken auf die Ortschaft niedergingen und die Menschen im Schlaf überraschten.
Die in Haiti stationierte multinationale Friedenstruppe schaffte am Samstag Nahrungsmittel, Medikamente und Plastikplanen nach Mapou und ins nahe gelegene Fond Verrettes. Mit Schlauchbooten wollten sie versuchen, auch abgelegene Dörfer zu erreichen. In der Dominikanischen Republik wurde ein Zeltlager für rund 1.300 obdachlos gewordene Flutopfer errichtet.
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