Dunkle Wolken am Meteorologen-Himmel

Bericht van: Takkie (Amstelveen) , 20-04-2006 11:47 





Frankfurt/Main (AP) Das Klima zwischen dem Deutschen Wetterdienst (DWD) und der privaten Firma Meteomedia von Jörg Kachelmann war noch nie sonderlich gut. Doch der Streit über Unwetterwarnungen hat die Spannungen zwischen den Meteorologen zuletzt verschärft. Der DWD fordert, dass alle private Wetterfirmen in Deutschland ausschließlich die Unwetterwarnungen des staatlichen Wetterdienstes in Offenbach verbreiten. Kachelmann lehnt das ab und fordert einen freien Wettbewerb der Vorhersagen.
«Wir kämpfen für das Single-Voice-Prinzip», sagt dagegen DWD-Vorstand Hans-Gerd Nitz. Seine Behörde sei gesetzlich zuständig für amtliche Warnungen. Die privaten Anbieter, allen voran Meteomedia, sollten deshalb ausschließlich die Unwetterwarnungen des DWD verbreiten. Dieser Forderung hatte sich jüngst auch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee angeschlossen, in dessen Aufgabenbereich der Wetterdienst fällt.
Kachelmann hält davon gar nichts und verweist auf das starke Interesse an Meteomedia-Unwetterwarnungen: «Wenn der DWD das so machen würde wie er es machen müsste, dann würden ja nicht reihenweise Behörden und Feuerwehren auf uns zukommen und sagen, 'bitte schickt uns eure Warnungen'», sagt er. Die Haltung des DWD wertet Kachelmann als Versuch, «das Denken und die freie Marktwirtschaft gleichzeitig auszuschalten». Denn die Behörden wollten unterschiedliche Meinungen haben, die sie dann selber beurteilen könnten, argumentiert er.

DWD-Vorstand Nitz befürchtet dagegen eine Verwirrung der Öffentlichkeit, sollte es weiterhin unterschiedliche Warnsysteme geben. Als Beispiel nennt er den Tornado, der Ende März in Hamburg zwei Menschen tötete. Sowohl der DWD als auch Meteomedia hätten zuvor vor Sturm gewarnt, aber mit verschiedenen Bezeichnungen. «Das zeigt deutlich, welches Chaos wir haben» klagt Nitz. Kachelmann hat dagegen mehrfach betont, dass Meteomedia Warnstufe Rot herausgab, der DWD aber nur in Gelb vor «markantem Wetter» gewarnt habe.

Andere Meteorologen finden den Streit an sich überflüssig. «Das Thema Unwetterwarnungen ist für dieses Niveau zu komplex» sagt Karsten Brandt, Geschäftsführer der Bonner Wetterfirma Donnerwetter.de. Brandt ärgert vor allem, dass mittlerweile viel zu viel vor Unwettern gewarnt werde. 70 bis 80 Prozent der Warnungen seien für den Papierkorb: «Die Warnschwelle wurde zu sehr runtergezogen», kritisiert er. Das sei zwar medienträchtig, führe aber zu einem gefährlichen Abstumpfungseffekt.

DWD-Mann Nitz glaubt dagegen nicht, dass zu viel gewarnt wird und verweist auf das gestiegene öffentliche Interesse. Bevölkerung und Medien seien sensibler geworden. «Vor zwanzig Jahren war ein Tornado noch kein Medienereignis», betont er. Dennoch findet Nitz, dass das Katastrophenwarn-Management weltweit eine staatliche Aufgabe sei, in der es einfach keinen Wettbewerb geben könne. Dabei verweist er auch auf die unterschiedlichen rechtlichen Folgen eventueller Falschmeldungen: Während der Wetterdienst mit der so genannten Staatshaftung in der Verantwortung stehe, könnten private Firmen wie Meteomedia keine Gewähr für die Richtigkeit ihrer Vorhersagen geben. «Das ist ein dramatischer Qualitätsunterschied», findet Nitz.

Kachelmann hält das für ein Ablenkungsmanöver: Es sei juristischer Konsens, dass Wettervorhersagen nicht einklagbar seien, weil sie eben nicht hundertprozentig stimmen könnten. «Sonst hätte man bei der Elbeflut massenweise erfolgreich klagen können», argumentiert er. Die Kernfrage sei doch, wer beim Unwetterwarnen die bessere Arbeit mache. Vor Wettbewerb scheine der Wetterdienst aber Angst zu haben.

Keine derartige Furcht herrscht dagegen bei den betroffenen Behörden und Einrichtungen. Beim Deutschen Feuerwehrverband lobt man zwar grundsätzlich die Zusammenarbeit mit dem DWD. Dessen Datensystem seien vor allem auf lokaler Ebene von großem Vorteil für die Feuerwehren, sagt Vizepräsident Bernd Pawelke. «Der Feuerwehrverband ist der Meinung, dass ein einheitliches System zur Verfügung stehen muss.» Gleichzeitig betont Pawelke, dass er den bundesweit insgesamt 33.000 Feuerwehren keine Vorschriften machen könne, wenn einzelne einen zusätzlichen Wetterdienst beziehen wollten. Ein Sprecher des Technischen Hilfswerks (THW) erklärt lediglich, man informiere sich bei mehreren Anbietern.

Das Land Niedersachsen, wo jüngst Stürme und Hochwasser die Katastrophenstäbe beschäftigten, hat damit auch kein Problem: Mit dem DWD sei man eigentlich sehr gut versorgt, sagt Rainer Lange, der im Innenministerium in Hannover für Wetterdienste zuständig ist. Grundsätzlich habe er aber nichts dagegen, Vereinbarungen mit anderen Wetterdiensten einzugehen. «Wir möchten einfach gut informiert werden.»

Ut Wordt Nix

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Takkie (Amstelveen) -- 20-04-2006 11:47
  Re : Okidoki....................  
Frank (Landsmeer) -- 20-04-2006 14:14