UN-Klimarat legt Empfehlungen vor Dringender Appell zu raschem Handeln am Beginn der neuen Tagungsrunde
Bangkok - Mit einem dringenden Appell zu raschem Handeln hat am Montag in Bangkok der UN-Klimarat seine Beratungen zum Kampf gegen die Klimakatastrophe aufgenommen. Einige Dutzend der besten Klimaforscher der Welt legen in der thailändischen Hauptstadt letzte Hand an den dritten Arbeitsbericht des Klimarates, der Wege zeigen soll, wie die schlimmsten Folgen des Klimawandels noch verhindert werden können. Am Freitag soll das Papier offiziell vorgestellt werden.
Aus den Entwürfen des Arbeitsentwurfs geht hervor, dass die Experten den Politikern nur noch wenige Jahre geben, um die richtigen Weichen zu stellen. Nur so könne der Treibhausgas-Ausstoß ab 2030 zurückgehen und die Klimaerwärmung unter der besonders folgenschweren Schwelle von zwei Grad bleiben.
Handeln: ja - doch wie genau?
"Die Wissenschaft legt eine Menge zwingender Gründe vor zu handeln, aber was unternommen werden soll und wann, müssen die Regierungen entscheiden", sagte der Vorsitzende des Klimarates IPCC (International Panel on Climate Change), Rajendra Pachauri. Mehr als 100 Länder schickten Regierungsvertreter nach Bangkok, die die wissenschaftlichen Ergebnisse vor der Veröffentlichung am Freitag Zeile für Zeile absegnen werden. Mit diesem Format hofft der Klimarat, nicht als elitäres Wissenschaftlergremium abgetan zu werden sondern breiten politischen Konsens für weltweites Handeln zu schaffen.
"Der Kohlendioxid-Ausstoß muss in den nächsten zehn, 15 Jahren den Zenit erreichen (und dann zurückgehen), und nach diesem Bericht ist das möglich", sagte Bill Hare von Greenpeace, der an dem Bericht mitgearbeitet hat, in Bangkok. "Das einzige, was noch im Weg steht, ist die mangelnde Regierungsentschlossenheit, die richtige Politik einzuläuten."
Unterschiedliche Interessen der einzelnen Länder
Weil viele Optionen, die die Wissenschaftler nach den Entwürfen aufzeigen, umstritten sind, rechnen Beobachter mit zähen Verhandlungen. So sollen die USA und China darauf drängen, in dem Papier nicht wie vorgesehen als größte Atmosphärenverschmutzer durch Treibhausgase genannt zu werden, verlautete aus Teilnehmerkreisen. Asiatische Länder, die ihr Wirtschaftswachstum über Jahrzehnte vor allem mit Kohlekraftwerken anfeuern wollen, möchten den hohen Anteil der Kohle an den schädlichen Emissionen nicht überbewertet sehen. Einige Europäer wollen darauf achten, dass bei der Atomkraft als alternativem Energieerträger Risiken und ungelöste Probleme des Atommülls klar herausgestellt werden.
Strittige Themen
Nach Erwartungen des deutschen Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung debattieren die Delegierten in den kommenden Tagen auch über die künftige Rolle der Atomkraft. Im Abschlusspapier werde es wohl hießen, Atomkraft könne eine Option sein, sagte der Chefökonom des Instituts, Ottmar Edenhofer, in der "Frankfurter Rundschau" voraus. Edenhofer, der selbst Mitglied im IPCC ist, warnte jedoch davor, zum Klimaschutz auf Atomkraft zu setzen. Der Ausbau der Kernkraft sei "volkswirtschaftlich unsinnig, weil es ökonomisch zumindest gleichwertige Alternativen gibt", sagte er.
Die Lagerung von schädlichen CO2-Gasen unter der Erdoberfläche, im vorherigen IPCC-Bericht noch als Lösung mit großem Potenzial gewürdigt, wird inzwischen skeptischer beurteilt. "In diesem Bericht zeigen wir auf, welche Probleme noch gelöst werden müssen, ehe das wirklich kommerziell angewandt werden kann", sagte einer der Autoren.
Anhaltendes Erbe
Pachauri sagte dem britischen Sender BBC, dass die Welt sich selbst bei sofortigem Handeln auf umfassende Folgen der bereits verursachten Umweltverschmutzung einstellen müsse. "Die Trägheit des Systems bedingt, dass der Klimawandel noch Jahrzehnte voranschreitet, etwa der Anstieg der Meeresspiegel", sagte er. (APA/dpa/AP)
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